Markus Vieghofer

Automatisierung in der Agentur: Die ersten 5 Prozesse

Build6 Min. Lesezeit

5 Stunden pro Woche. Mindestens. So viel Zeit verlieren die meisten Agenturen an Prozesse, die ein Tool in Sekunden erledigen könnte. Kein Entwickler nötig. Kein Budget. Nur die Entscheidung, damit anzufangen.

Welche Prozesse eignen sich für Automatisierung?

Nicht jeder Prozess gehört automatisiert. Ich habe in den letzten Jahren mit über 100 Agenturinhabern Prozesse analysiert. Das Muster ist immer gleich: Die meisten versuchen zu viel auf einmal und scheitern. Oder sie automatisieren das Falsche. Wichtig: Erst den Prozess definieren, dann automatisieren. Nicht umgekehrt.

Ein Prozess eignet sich für Automatisierung, wenn er drei Kriterien erfüllt:

  1. Er kommt regelmäßig vor (mindestens wöchentlich)
  2. Er hat einen klaren Standardfall (auch wenn es manchmal Ausnahmen gibt)
  3. Er braucht keinen kreativen Input (reine Ausführung)

Du musst nicht 100% automatisieren. Automatisiere die 80% die immer gleich laufen. Die 20% Sonderfälle handled dein Team manuell — aber mit deutlich mehr Kapazität, weil die Routine wegfällt.

Was du nicht automatisieren solltest: Kreative Arbeit. Strategische Entscheidungen. Beziehungspflege. Das sind die Dinge, für die du als Gründer da bist. Automatisiere das Drumherum, damit du mehr Zeit für den Kern hast.

Prozess 1: Neukunden-Onboarding

Neuer Kunde gewonnen. Alle freuen sich. Und dann? Ordner anlegen. Zugänge einrichten. Willkommens-E-Mail schicken. Kick-off planen. Team informieren. 10 Schritte. Jedes Mal die gleichen. Jedes Mal vergisst jemand was.

Ein einziger Trigger im CRM löst die gesamte Kette aus. Neuer Eintrag angelegt, und innerhalb von 2 Minuten passiert alles automatisch:

  • Projektordner in Google Drive erstellt
  • Willkommens-E-Mail mit Fragebogen verschickt
  • Aufgaben im Projektmanagement-Tool angelegt
  • Team per Slack informiert

Wer das Onboarding-System auf 48 Stunden aufgebaut hat, kann den manuellen Teil auf unter 30 Minuten pro Neukunde drücken. Ohne Automatisierung dauert es 2-3 Stunden.

Prozess 2: Zeiterfassung und Reporting

Am Monatsende sitzt jemand in deinem Team 3-4 Stunden da und baut Reports aus der Zeiterfassung. Für jeden Kunden einzeln. Copy-Paste aus dem Tool in eine Excel-Tabelle. Dann in eine E-Mail. Dann an den Kunden.

Das ist Busy Work in Reinform.

Die meisten Zeiterfassungstools haben API-Zugang. Ein automatischer Report, der am ersten Montag des Monats generiert und per E-Mail verschickt wird. Einmal einrichten, nie wieder dran denken. Bei 10 Kunden sparst du 4 Stunden pro Monat. Bei 20 Kunden das Doppelte.

Was du dafür brauchst

  • Dein Zeiterfassungstool (Clockify, Harvest, Toggl)
  • Make oder n8n als Connector
  • Eine Report-Vorlage (Google Sheets oder PDF-Template)
  • 2 Stunden für die Einrichtung

Prozess 3: Social-Media-Recherche

Social-Media-Posting automatisieren kann mittlerweile jeder. Buffer, Later, Metricool, das ist Standard. Was die meisten Agenturen aber immer noch manuell machen: die Recherche davor.

Welche Themen performen gerade? Was postet die Konkurrenz? Welche Formate funktionieren in der Branche des Kunden? Dein Team verbringt Stunden damit, durch Feeds zu scrollen und Screenshots zu sammeln.

Das lässt sich automatisieren. Ein n8n-Workflow, der täglich die Top-Posts aus relevanten Branchen-Accounts scrapt, nach Engagement sortiert und in ein Google Sheet oder Notion-Board schreibt. Dein Team startet morgens mit einer kuratierten Liste statt mit blindem Scrollen.

Was du automatisieren kannst

  • Wettbewerber-Monitoring (neue Posts, Engagement-Raten)
  • Trend-Erkennung (Themen mit steigender Reichweite)
  • Content-Inspiration (Top-Performer nach Format und Thema sortiert)
  • Reporting (wöchentliche Performance-Zusammenfassung pro Kunde)

Bei 5 Kunden sparst du damit 3-5 Stunden Recherche-Zeit pro Woche. Und die Qualität der Content-Ideen steigt, weil sie datengetrieben statt zufällig sind.

Prozess 4: Rechnungsstellung

Projekt abgeschlossen. Rechnung schreiben. Abschicken. Nachverfolgen. Mahnungen bei Zahlungsverzug. Alles manuell. Alles unangenehm. Und alles Arbeit, die kein Geld verdient.

Dein Buchhaltungstool kann das. Lexoffice, sevDesk, FastBill, jedes davon erstellt automatisch Rechnungen aus Vorlagen. Zahlungserinnerungen gehen automatisch raus. Du musst nur noch prüfen und freigeben.

Was du dadurch sparst, ist nicht nur Zeit. Es ist die mentale Belastung. Offene Rechnungen im Hinterkopf kosten Energie. Jeden Tag. Automatische Erinnerungen nehmen dir diesen Stress. Das ist einer der Gründe, warum gute Prozesse deine Agentur befreien statt einzuschränken.

Prozess 5: Lead-Qualifizierung

Anfrage kommt rein. Du schreibst zurück. Fragst nach Budget. Nach Zeitrahmen. Nach Anforderungen. 3 E-Mails hin und her, bis du weißt, ob es überhaupt passt. Manchmal 5. Manchmal endest du in einem 30-Minuten-Call mit jemandem, der 500 Euro Budget hat.

Die Lösung: Ein Typeform oder Calendly-Link mit vorgeschalteten Fragen. Der Lead füllt aus, was du wissen musst, und bucht direkt einen Termin. Du gehst nur noch in Gespräche mit qualifizierten Leads.

Die 4 Fragen die 80% filtern

  1. Budget-Range (unter 3.000 Euro, 3.000-10.000 Euro, über 10.000 Euro)
  2. Gewünschter Projektstart (sofort, in 1-3 Monaten, später)
  3. Projektumfang (kurz beschreiben)
  4. Bisherige Erfahrung mit Agenturen

4 Fragen. 2 Minuten für den Lead. Und du weißt sofort, ob ein Gespräch Sinn ergibt.

Was passiert mit nicht-qualifizierten Leads?

Die meisten Agenturen schicken eine Absage und das war's. Verpasste Chance. Bau stattdessen einen automatisierten Downsell ein: Wer nicht ins High-Ticket-Angebot passt, bekommt automatisch ein Low-Ticket-Offer. Ein Template-Paket, ein Audit, ein Kurs. Der Lead ist warm, hat Bedarf und hat sich gerade 2 Minuten Zeit genommen. Lass ihn nicht einfach gehen.

Das funktioniert komplett automatisiert: Typeform-Antwort unter Budget-Schwelle triggert eine E-Mail-Sequenz mit dem passenden Angebot. Kein manueller Aufwand. Kein Gespräch nötig. Und du monetarisierst Leads, die du sonst verloren hättest.

Dein Startplan für diese Woche

Wähle einen Prozess. Einen einzigen. Investiere diese Woche 2 Stunden in die Umsetzung. Miss die Zeitersparnis nach einem Monat. Dann den nächsten.

Nicht alles auf einmal. Nicht das perfekte Setup. Ein Prozess, der ab nächster Woche ohne dich läuft.

Die Agenturen, die ich begleite, gewinnen durch diese 5 Automatisierungen im Schnitt 5-8 Stunden pro Woche zurück. Das ist fast ein ganzer Arbeitstag. Die Frage ist nicht ob du automatisieren solltest. Die Frage ist, warum du es nicht schon letzte Woche gemacht hast.

Das Business Systemize Template

Die Schritt-für-Schritt-Vorlage, mit der du jede Aufgabe in deiner Agentur in ein wiederholbares System verwandelst — in unter 30 Minuten.

Kostenlos herunterladen

Häufige Fragen

Neukunden-Onboarding, Zeiterfassung, Social-Media-Posting, Rechnungsstellung und Lead-Qualifizierung. Diese fünf haben das beste Aufwand-Ergebnis-Verhältnis.

Nein. Tools wie Make und n8n haben visuelle Editoren, die wie Flowcharts funktionieren. Die meisten Szenarien sind in unter 2 Stunden eingerichtet.

Drei Kriterien: Er kommt regelmäßig vor, läuft immer gleich ab und braucht keinen kreativen Input. Wenn du ihn einem Praktikanten in 5 Minuten erklären könntest, kann ihn auch ein Tool übernehmen.

Gerade dort. In kleinen Teams macht der Gründer oft alles selbst. Automatisierung holt dir genau die Stunden zurück, die du für strategische Arbeit brauchst.

Die Systeme, die Agentur-Inhaber operativ frei machen.

Prozesse, Strategien und Frameworks, die funktionieren. Direkt aus der Praxis mit 7-stelligen Agenturen. Du bekommst sie zuerst, bevor sie öffentlich werden.

Automatisierung in der Agentur: Die ersten 5 Prozesse | Markus Vieghofer