Markus Vieghofer

Feedback geben das ankommt: Ein Framework für Agenturen

Lead7 Min. Lesezeit

"Mir gefällt das nicht." 5 Worte. Null Information. Dein Designer sitzt da und rät: Die Farbe? Das Layout? Die Tonalität? Ergebnis: 3 Korrekturschleifen, Frust auf beiden Seiten und ein Projekt, das 2 Wochen länger dauert als nötig. Das ist kein Feedback. Das ist eine Meinung ohne Kontext.

Warum Feedback in Agenturen so oft schiefgeht

Agenturarbeit ist kreativ. Und kreative Arbeit zu bewerten ist subjektiv. Genau da liegt das Problem. Die meisten Agenturinhaber geben entweder zu wenig Feedback oder das falsche.

Zu wenig heißt: Dein Team weiß nicht, wo es steht. Sie raten. Manche raten richtig. Manche raten falsch. Und du wunderst dich, warum die Qualität schwankt.

Falsches Feedback heißt: Dein Team ist frustriert und demotiviert. "Das ist nicht gut genug" ohne Erklärung. "Mach das nochmal" ohne Richtung. Das kostet dich gute Leute. Nicht sofort. Aber innerhalb von 6 Monaten.

Das größere Problem

Du kannst nicht erwarten, dass dein Team proaktiv wird, wenn du nie klar kommunizierst, was du erwartest. Ich habe das in einem Coaching Call erlebt: Eine Assistenz hatte 45 Minuten nichts zu tun, während der Gründer im Meeting war. Sie hat gewartet. Nicht weil sie faul war. Sondern weil niemand ihr gesagt hat, dass Proaktivität erwartet wird.

Feedback ist kein Event. Feedback ist Kommunikationsinfrastruktur. Ohne sie fliegt dein Team blind.

Erwartungen, Feedback und Anweisungen: Drei verschiedene Dinge

Die meisten Agenturinhaber vermischen drei Konzepte, die grundverschieden sind. Und genau das erzeugt Frust auf beiden Seiten.

Erwartungen

Kommen vorher. Einmalig. Proaktiv. "Wenn du fertig bist und nichts zu tun hast, melde dich aktiv. Warte nicht." Das ist kein Feedback. Das ist eine Erwartung, die du beim Onboarding oder bei einer neuen Aufgabe setzt.

Wenn du Erwartungen nie aussprichst, kannst du hinterher kein Feedback geben, dass sie nicht erfüllt wurden. Das ist unfair.

Feedback

Eine neutrale Beobachtung. "Mir ist aufgefallen, dass X zu Y geführt hat." Du beschreibst was du gesehen hast und welche Wirkung es hatte. Nicht mehr.

Wichtig: Feedback ist keine Anweisung. Der Empfänger hört deine Beobachtung und entscheidet selbst, was er damit macht. Vielleicht gibt es Kontext den du nicht kennst. Vielleicht sieht er es anders. Feedback öffnet ein Gespräch. Es schließt keins ab.

Anweisungen

Kommen, wenn eine klare Verhaltensänderung nötig ist. "Bitte schick ab sofort jeden Freitag das Reporting bis 14 Uhr." Keine Diskussion. Kein "wie siehst du das?" Eine Anweisung.

Warum die Unterscheidung zählt

Wenn du "Feedback" gibst, das eigentlich eine Anweisung ist, fühlt sich dein Team manipuliert. Wenn du eine Anweisung als Feedback verpackst, nimmt niemand es ernst. Und wenn du Feedback auf Dinge gibst, die du nie als Erwartung definiert hast, ist dein Team zu Recht frustriert.

Erst Erwartungen setzen. Dann beobachten. Dann Feedback geben. In genau dieser Reihenfolge.

Das SBI-Framework funktioniert für alle drei. Aber du musst vorher wissen, was du gerade tust.

Was ist das SBI-Framework?

SBI steht für Situation, Behavior, Impact. Ein einfaches, strukturiertes System, das für Erwartungen, Feedback und Anweisungen gleich funktioniert. Ich nutze es seit Jahren mit meinen Kunden, und es ist das einzige Framework, das in der Praxis hält.

S wie Situation

Beschreibe die konkrete Situation. Nicht "letztens." Nicht "immer." Sondern: "In der Kundenpräsentation am Dienstag für Projekt X..."

Je konkreter die Situation, desto weniger kann dein Gegenüber ausweichen. "Du bist immer unvorbereitet" erzeugt Abwehr. "Am Dienstag bei Projekt X" erzeugt Zuhören.

B wie Behavior (Verhalten)

Beschreibe das beobachtbare Verhalten. Keine Interpretation. Keine Vermutung. Nicht "du warst unmotiviert." Sondern: "Du hast die Folien erst 5 Minuten vor dem Meeting fertiggestellt."

Der Unterschied ist entscheidend. "Unmotiviert" ist deine Interpretation. "5 Minuten vorher fertig" ist ein Fakt. Über Fakten lässt sich nicht streiten.

I wie Impact (Wirkung)

Beschreibe die Auswirkung. "Das hat dazu geführt, dass wir Tippfehler in der Präsentation hatten und der Kunde nachgefragt hat, ob wir vorbereitet sind."

Ohne den Impact versteht dein Mitarbeiter nicht, warum es wichtig ist. Vielleicht denkt er: "5 Minuten vorher fertig, na und? Hat ja geklappt." Der Impact zeigt: Nein, hat es nicht.

Wann und wo du Feedback in deiner Agentur gibst

Innerhalb von 48 Stunden

Feedback verliert mit jeder Stunde an Wirkung. Im Jahresgespräch über einen Vorfall von vor 6 Monaten zu sprechen ist sinnlos. Dein Mitarbeiter erinnert sich nicht mehr. Du erinnerst dich nicht mehr. Es wird ein Gespräch über Interpretationen statt über Fakten.

Die Regel: Innerhalb von 48 Stunden. Wenn es wichtig genug ist, um Feedback zu geben, ist es wichtig genug, es jetzt zu geben.

Kritik unter vier Augen

Kritisches Feedback nie vor dem Team. Nie im Slack-Channel. Nie in der Projekt-Retrospektive. Immer im persönlichen Gespräch oder Videocall.

Lob dagegen darf und sollte öffentlich sein. Öffentliches Lob verstärkt gewünschtes Verhalten und zeigt dem Rest des Teams, was du wertschätzt.

Regelmäßig, nicht nur bei Problemen

Wenn du nur Feedback gibst, wenn etwas schiefläuft, wird jedes "Hast du kurz Zeit?" zum Angstmoment. Dein Team geht in Abwehrhaltung, bevor du den Mund aufmachst.

Die Lösung: Regelmäßige 1:1-Gespräche, in denen Feedback normal ist. Nicht die Ausnahme. Ob wöchentlich, zweiwöchentlich oder monatlich hängt von deinem Team ab. Wichtig ist nur: Es findet statt. Verlässlich. Ohne Verschieben.

Das 1:1-Format das funktioniert

30 Minuten. Fester Termin. Nicht verschiebbar. Ob wöchentlich, zweiwöchentlich oder monatlich, entscheidest du. Mindestens monatlich sollte es sein.

  1. 10 Minuten: Deren Themen. Dein Mitarbeiter bringt mit, was ihn beschäftigt. Blocker. Fragen. Ideen. Er bereitet die Agenda vor, nicht du.
  2. 10 Minuten: Dein Feedback. Mindestens 1 positives SBI-Feedback, plus Kritisches wenn nötig.
  3. 10 Minuten: Entwicklung. Was ist das nächste Wachstumsziel? Welche Fähigkeit bauen wir aus?

Aus einem Coaching Call: Ein Agenturinhaber traf sich mit seiner Assistenz 3 Stunden im Coworking. Ohne Agenda. Ohne Zeitblöcke. Maximale Ineffizienz. Nach der Umstellung auf einen fixen 30-Minuten-1:1 mit vorbereiteter Agenda wurde das Meeting kürzer, produktiver, und die Assistenz begann eigenständig Lösungen vorzuschlagen statt nur Fragen zu stellen.

Die 4 Feedback-Fehler die Agenturinhaber machen

Fehler 1: Die Sandwich-Methode

Lob. Kritik. Lob. Jeder kennt das Schema. Dein Team hört das Lob nicht mehr, weil es weiß, dass gleich die Kritik kommt. Sei direkt. Kritisches Feedback braucht kein Verpackungsmaterial.

"Die Präsentation war nicht gut vorbereitet. Hier ist was ich meine und was ich beim nächsten Mal erwarte." Das ist respektvoller als jedes Sandwich.

Fehler 2: Feedback als Monolog

Feedback ist kein Vortrag. Nachdem du dein SBI gegeben hast, frag: "Wie siehst du das?" Vielleicht gibt es Kontext den du nicht kennst. Vielleicht war der Mitarbeiter krank. Vielleicht hat ein anderes Projekt reingedrückt. Ohne Rückfrage ist dein Feedback eine Einbahnstraße.

Fehler 3: Nur Ergebnisse bewerten

Das Endergebnis war gut, aber der Weg dahin chaotisch? Sag es. Der Prozess bestimmt die langfristige Qualität. Einzelne Glückstreffer sind kein Maßstab. Wenn dein Team nur hört "Ergebnis stimmt, alles gut", lernt es nie, den Prozess zu verbessern.

Fehler 4: Kein Follow-up

Du gibst Feedback. Dein Mitarbeiter nickt. Zwei Wochen später: gleiches Problem. Weil niemand nachgehalten hat.

Notiere dir jeden Feedback-Punkt. Komm im nächsten 1:1 darauf zurück. "Letzte Woche haben wir über X gesprochen. Wie läuft es seitdem?" Das zeigt, dass du es ernst meinst. Und es zeigt deinem Team, dass Feedback kein Ritual ist, sondern ein Werkzeug.

Feedback ist kein Soft Skill

Plane diese Woche ein 1:1 mit einem Teammitglied. Bereite ein SBI-Feedback vor: ein positives und ein konstruktives. 30 Minuten. Fester Termin.

Du wirst den Unterschied sofort merken. Nicht weil das Framework magisch ist. Sondern weil Klarheit immer besser funktioniert als Raten. Dein Team will wissen, wo es steht. Gib ihnen die Antwort.

Klare Erwartungen. Klares Feedback. Klare Ergebnisse. In genau dieser Reihenfolge.

Die Lean Agency Strategie

Wie du mit weniger Team, weniger Overhead und weniger Stress mehr Profit machst — der Gegenentwurf zum 'Mehr ist mehr'-Agenturmodell.

Strategie sichern

Häufige Fragen

SBI steht für Situation, Behavior, Impact. Du beschreibst die konkrete Situation, das beobachtbare Verhalten und die Auswirkung. Macht Feedback objektiv und nachvollziehbar.

In regelmäßigen 30-Minuten-1:1-Gesprächen, mindestens monatlich. Wöchentlich oder zweiwöchentlich ist besser. Feedback selbst sollte innerhalb von 48 Stunden kommen.

Weil jeder das Schema kennt. Dein Team hört das Lob nicht mehr, weil es weiß, dass gleich die Kritik kommt. Sei direkt.

Positives Feedback ja. Kritisches Feedback nie schriftlich, nie vor dem Team. Immer im persönlichen Gespräch oder Videocall.

Die Systeme, die Agentur-Inhaber operativ frei machen.

Prozesse, Strategien und Frameworks, die funktionieren. Direkt aus der Praxis mit 7-stelligen Agenturen. Du bekommst sie zuerst, bevor sie öffentlich werden.

Feedback-Framework für Agenturen (SBI-Methode) | Markus Vieghofer